Logistik und Supply-Chain-Management

Alles muss im Fluss bleiben

Von Patrick Jan · 2015

Fabriken produzieren direkt für den Markt, rapide steigende Umsätze im Onlinehandel, schlanke Strukturen in der Lagerhaltung, Reduzierung der Lieferzeiten: Das Tempo im Handel von Gütern und Rohstoffen erhöht sich nahezu täglich! Für die Umsetzung des Internet der Dinge – sowohl Geräten als auch Systemen, Produkten und Applikationen – sind integrierte Netzwerke mit smarten Komponenten gefragt.

Mit dem Internet der Dinge erreicht die Logistik eine völlig neue Dimension. Materialfluss und Information werden miteinander vernetzt. Spezielle Softwarestrukturen gewährleisten deren Kommunikation und erlauben Entscheidungen, ohne dass der Mensch eingreifen muss. Im Rahmen der Wertschöpfung werden je nach Komplexität Rohstoffe, Materialien, Komponenten und Halbfabrikate benötigt, die auf verschiedenste Art im gleichen Takt eingebracht werden. Ist der Prozess optimal abgestimmt, gibt es keine Unterbrechungen. Sobald sich Dinge in Bewegung setzen, kommt Logistik ins Spiel. Alles im Fluss zu halten, könnte als Axiom der Logistik postuliert werden. In Beziehung zum Internet der Dinge sind die Intralogistik und der Transport der Waren neu zu organisieren. Supply Chain Management (SCM) steht vor neuen Aufgaben.

Nächste Generation internetfähiger Geräte sorgt für Schub

Die Weiterentwicklung digitaler Systeme macht integrierte Kommunikationsabläufe möglich. Von Menschen und Geräten erzeugte Daten automatisieren die Prozesse und verbessern kontinuierlich die Effizienz. So wird beispielsweise eine neue Generation internetfähiger Geräte über die Cloud direkt mit der Produktion im Unternehmen verbunden. Vernetzte Dinge können dabei Sensoren und Sicherheitskameras bis hin zu Fahrzeugen und Produktionsmaschinen sein. Bosch Software Innovations erwartet, dass bis 2022 über 14 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Beim Prinzip M2M (Machine-to-Machine) liegt der Schwerpunkt auf der Verbindung zu Geräten. Daten werden erfasst und lokal oder über Wide-Area Netze (WAN) übertragen. Das Internet der Dinge beinhaltet die Eigenschaften von M2M, wird aber um die Verbindung zwischen Dingen –sowohl Geräte als auch Systeme, Produkte und Applikationen– ergänzt.

Autonome Logistiknetze organisieren sich selbst

Datenpakete finden wie E-Mails ihren Weg im Netz von einem Internetknoten zum nächsten. Zukünftig werden Pakete, Paletten und Behälter im logistischen Netzwerk ebenso ihren Weg finden. Selbst ist das Paket! Artikel, Kisten und Teile koordinieren sich und fordern die nötigen Ressourcen selbstständig an. Die Dinge erhalten eine elektronische Identität auf Basis von Transpondern beziehungsweise RFID-Technologie (Radio Frequency Identification). Von der logistischen Kontrolle von Blutkonserven bis zur Erfassung von Massengütern ist inzwischen schon vieles praktisch umgesetzt. Versuche des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik iml zeigen, dass auch 32 mit Flüssigkeiten gefüllte Metallfässer auf einer Palette erfolgreich im Pulk gelesen werden können. Ebenso konnte für einen Pharmaziehersteller ein System entwickelt werden, dass eine Vielzahl von Kartonagen mit pharmatypischen Produkten gleichzeitig bei der Fahrt durch das Wareneingangstor erfassen kann. Waren werden auf ihrem Lebensweg lückenlos verfolgt. Ihre aktuellen Zustände und Standorte erfahren eine sekündliche Kontrolle. Damit liegen alle erforderlichen Informationen über die Warenströme vor. In einem autonomen Logistiknetz, vergleichbar mit dem Internet, können sie an wechselnde Anforderungen anpasst werden. Solche Logistiknetze können sich selbst organisieren und ihre Distribution unabhängig steuern. Dieser Paradigmenwechsel in der Logistik bietet signifikante Vorteile, wenn viele Einzelbestellungen bearbeitet und Waren schnell beim Kunden sein müssen. Im Internet der Dinge finden Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zum Kunden – und wieder zurück zum Recycling.

Der Paradigmenwechsel in der Logistik bietet signifikante Vorteile, wenn viele Einzelbestellungen schnell beim Kunden sein müssen.

Im Hinblick auf verfügbare Speicherkapazitäten ist das Verlagern von Prozessinformationen auf einen passiven Chip (Data-on-Tag) heute technisch möglich. Die Prozesskette auf dem Chip erlaubt nicht nur das eindeutige Identifizieren eines Artikels, sondern auch ein rasches Clearing nach Störungen oder Fehlern in laufenden Prozessen. Ausfallzeiten werden minimiert und die Effizienz erhöht sich.