Akademiker 4.0

Chancen für Schnittstellenspezis

Von Karl-Heinz Möller · 2016

Digitalisierung und Smart Factory treiben den aktuellen technischen Fortschritt an. Ihn nutzbar und beherrschbar zu machen, ist die Aufgabe einer neuen Generation von Fach- und Führungskräften. Ohne tiefe Sachkenntnis und mentaler Fitness sind diese Aufgaben kaum zu meistern. Dabei bieten universitäre Ausbildungsgänge die Schlüsselqualifikation.

Verstärkte Investitionen in die Bildung sind nötig. Es geht darum, gerüstet für die Zukunft zu sein. Dabei geht es nicht nur um die Digitalisierung von Produktionsprozessen, sondern um Fortschritte bei Schlüsseltechnologien. Breitband-Internet, Cloud Computing oder mobiles Surfen sind fester Bestandteil des Alltags. Big Data, Smart Factory und Industrie 4.0 sind die Pendants auf der industriellen Ebene.

Interdisziplinär gebildete Akademiker sind Mangelware

Industrie 4.0 bedeutet, dass moderne Internettechnologien in die Produktionsprozesse eingebunden werden. Mensch, Maschine und Produkte vernetzen sich, erklärt Professor Thomas Rollmann, Studiengangleitung für Wirtschaftsingenieurwesen an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dies habe Konsequenzen auf Inhalte von Studiengängen. Am stärksten betroffen seien Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik. In Zukunft werden sie wesentlich interdisziplinärer ausgerichtet sein. Ehemals getrennt voneinander bestehende Disziplinen wüchsen kontinuierlich zusammen. Rollmann: „Zwar haben auch bisher schon Maschinenbauingenieure die Grundlagenthemen der Informatik gelernt. Doch statt sich mit dem grundlegenden Aufbau eines Rechners zu befassen, geht es heute eher um IT-Sicherheit oder Datenmanagement in der Cloud.“ Ein klassisches Grundlagenstudium gilt immer noch als Basis. Etwa Elektro- oder Produktionstechnik, Maschinenbau oder Angewandte beziehungsweise Technische Informatik. Im weiteren Verlauf folgt die Konzentration auf ein bestimmtes Teilgebiet. Bereits spezialisierte Bachelorstudiengänge sind Eingebettete Systeme, Mikrosystemtechnik, Energietechnik oder IT-Sicherheit.

Gefragt sind Spezialisten

Nach Meinung von Arbeitsmarktexperten werde der Einsatz von breit ausgebildeten Spezialisten, etwa Maschinenbau und Informatik, stark an Bedeutung gewinnen. Diese Experten müssen mit Kollegen anderer Fachrichtungen eng kommunizieren können. Die deutsche Industrie werde laut VDI in Zukunft Jahr für Jahr zusätzlich weitere 90.000 Ingenieure benötigen. Die andere Hälfte des Ingenieurbedarfs hat ihre Ursache im anhaltend starken und schnellen technischen Fortschritt, der immer weitere Ingenieure erfordert – und zwar keineswegs nur in der Industrie. Gerade Banken und Versicherungen bemühen sich heutzutage genauso um die Anwerbung von Ingenieuren wie die Industrie, da sich technisch-wirtschaftliche Zusammenhänge nicht mehr ohne solide Ingenieurausbildung beurteilen lassen.