Bildung

IT-Grundlagen sind unverzichtbar

Von Folker Lück · 2017

Weiterbildung ist entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0.

Aus- und Weiterbildung dringend ersucht: Know-how-Defizite sind aktuell die größten Bremser für Industrie-4.0-Projekte in Unternehmen. Notwendig wäre der „Ingenieur 4.0“. Aber auch andere Berufszweige sind gefordert.

Technik-Zukunft mit Tücken: Manche Entwicklungen benötigen weitaus mehr Zeit, bis sie sich durchsetzen. Ein Beispiel hierfür ist die IP-Telefonie, die schon Ende der 1990er in den Startlöchern stand, sich jedoch erst heute im Zuge globaler Modernisierungsmaßnahmen der Carrier auf breiter Front durchsetzt. Bei anderen Technologien verhält es sich genau umgekehrt: Industrie 4.0 entwickelte sich binnen weniger Jahre zum breiten Trend.

Die Industrie ist vielfach bereits mitten auf dem Weg zur Fabrik 4.0. Doch auch Maschinen, die miteinander vernetzt sind, müssen von Menschen konstruiert und gesteuert werden. Die fortschreitende Entwicklung wirkt sich hier bereits auf alle aus, die heute in Unternehmen technische Verantwortung tragen oder als Ingenieure ausgebildet werden. Klar ist: Grundlagen in der IT muss künftig jeder beherrschen. Dazu gehören in vielen, technischen Berufen heute IT-Sicherheit und Big Data. Zu großes Spezialistentum kann sich indes negativ auswirken, denn dadurch verkleinert sich die Nische, in der man eines Tages als Arbeitnehmer gefragt ist.

Weiterbildung auch für Lehrer

Wichtig wäre es, im Hinblick auf die absehbare Entwicklung heute bereits bei der Schulausbildung anzusetzen. Während etwa in Estland, der Slowakei und Israel der Informatik-Unterricht in allen Schulformen und -stufen im Lehrplan fest verankert ist, reichen in manchen deutschen Schulen die Lernangebote noch immer kaum über die freiwillige Computer-AG hinaus. Vonnöten wären dabei nicht nur mehr Investitionen in digitale Infrastrukturen wie Breitbandanschlüsse, Whiteboards, Notebooks und Tablets. Notwendig sind auch mehr digitale Bildungsinhalte, was wiederum eine Weiterbildung zahlreicher Lehrkräfte erfordert. Viele der Multiplikatoren, die heute Kinder auf ein Leben in der digitalen Welt vorbereiten sollen, sind mit Computer, Internet & Co. wenig vertraut und kennen aktuelle Anforderungen aus der Wirtschaft kaum. 

Gefragt sind darüber hinaus mehr Fort- und Weiterbildungsnahmen für Menschen, die bereits im Berufsleben stehen. Wer seit einem Jahrzehnt als Ingenieur arbeitet, sollte regelmäßig an entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen können. Das erfordert entsprechende Angebote, persönliches Engagement aber auch die Unterstützung der jeweiligen Unternehmen.

Zyklen angleichen

Unsere Gesellschaft und die Wirtschaft stehen durch Industrie 4.0 vor massiven Umbrüchen. Es ist zwar lobenswert, reicht aber nicht aus, wenn der Staat hier zusätzliche Gelder für Bildungsmaßnahmen bereitstellt. Neben dringend erforderlichen Verbesserungen der Breitbandinfrastruktur ist es die größte Herausforderung der nahen Zukunft, die immer weiter auseinanderdriftenden Geschwindigkeiten zwischen technischen Innovationszyklen und Ausbildungszyklen anzugleichen.