Personal

Smarte Fabrik braucht smarte Mitarbeiter

Von Inken Schönauer · 2014

Egal wie intelligent die Fabrik der Zukunft wird, der Mensch behält immer noch die Oberhand. Doch dafür braucht er immer mehr überfachliche Kompetenzen. Mit gezielterer Qualifizierung könnten viele Betriebe ihre Produktivität um bis zu 30 Prozent steigern, schätzen Experten.

 Ein Mensch bearbeitet ein Werkstück an der Drechselbank

Viele Beobachter sehen in dem Wandel, der derzeit in Deutschlands Fabrikhallen stattfindet, eine neue industrielle Revolution. Nicht so Ralph Bruder: „Meiner Meinung nach ist das, was wir derzeit erleben weniger eine Revolution als mehr eine evolutionäre Fortschreitung.“ Der Professor ist Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt. Ganz gleich, ob Evolution oder Revolution – die technischen Errungenschaften rund um das Internet und die Digitalisierung haben zwangsläufig einen großen Einfluss darauf, wie die Arbeitsplätze in der Zukunft und teilweise schon in der Gegenwart gestaltet werden. Wie bei bisherigen industriellen Umwälzungen auch, müssen sich Menschen auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Die Anforderungen und die notwendigen Qualifikationen ändern sich stetig.

Flexibilität ist gefragt

„Industrie 4.0 leistet einen Beitrag zur Bewältigung aktueller Herausforderungen wie Ressourcen- und Energieeffizienz, urbane Produktion und dem demografischen Wandel“, heißt es im Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0 aus dem Jahr 2013, der unter der Überschrift „Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ lief. Ressourcenproduktivität und -effizienz würden sich fortlaufend und über das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk hinweg verbessern, so ein Fazit. Die neuen Entwicklungen werden die Ansprüche an die Qualifikation der Mitarbeiter ändern.

„Die zunehmende Komplexität der Steuerungen und die damit verbundene Intransparenz der Maschinenkommunikation wird den Stellenwert überfachlicher Kompetenzen deutlich erhöhen“, so Claudia Achtenhagen vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung. Aus der Sicht vieler Wissenschaftler ergeben sich daraus große Chancen für die Belegschaft, da so aus standardisierten Arbeitsmustern ausgebrochen werden kann. Maschinen übernehmen die Standards, Menschen werden weiterqualifiziert. „Dabei ist Flexibilität gefragt“, sagt Ralph Bruder. Das sogenannte „Multitasking“ sei etwas, das der Computer längst beherrsche, Menschen aber vor neue Herausforderungen stelle.

Talente werden rar

Experten vermuten, dass das schon jetzt oft diskutierte Thema Fachkräftemangel weiter an Bedeutung gewinnt, stellt es so manche Branche in der Industrie doch schon jetzt vor große Probleme. „Mein Vorschlag für all diese Unternehmen lautet: Bündeln Sie Ihre Kräfte und verfolgen Sie vor allem Maßnahmen, die neben dem Finden von Nachwuchs und Binden von Fachkräften besonders auch auf die optimale Nutzung der wertvollen Ressource Fachkraft setzen“, sagt Wissenschaftlerin Gabriele Korge vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO). Momentan würden viele Unternehmen ihre Mitarbeiterpotenziale leider noch verschwenden: Studien, Expertenschätzungen und auch die Erfahrungen der Institutskollegen am IAO würden zeigen, dass hier ein Produktivitätsplus von 30 Prozent brach liege.

Fraktal wird digital

Als Diskussionsgrundlage für die Anforderungen an die Personalstrukturen wird oft die „Fraktale Fabrik“ verwendet. Dabei handelt es sich um ein Modell des ehemaligen Präsidenten des Fraunhofer-Instituts Hans-Jürgen Warnecke, das vor rund 20 Jahren entwickelt wurde. Eine fraktal organisierte Fabrik bezeichnet danach ein System, das aus selbstständig agierenden Einheiten besteht.Die Struktur ist dabei ähnlich. Fraktale sind die Grundbausteine in diesem Konzept. Sie agieren selbstständig auf dem Markt. Die Ziele und grundlegenden Organisationsvorgaben der Fraktale stimmen aber immer mit den Zielen und Strukturen des gesamten Unternehmens überein. Die betrieblichen Einheiten organisieren ihre internen Abläufe selbst und übernehmen Verantwortung für den Erfolg.Die dezentrale Datennutzung und -verarbeitung in virtuellen Wolken wird die fraktale Fabrik nun zur digitalen Fabrik fortentwickeln. Physikalische Daten werden mit Sensoren unmittelbar erfasst und weltweiten Diensten zur Verfügung gestellt. Resultate dieser Auswertungen können direkt zurückgespielt werden und so die Fabrik in Echtzeit optimieren.