Internet der Dinge

Smarte Produkte statt Massenware

Von Melanie Ehrhardt · 2014

Kundenwünsche nach mehr Produktindividualität können durch neue Produktprozesse erfüllt werden.

Das Internet der Dinge wird auch die Produktion nachhaltig verändern. Die Fabrik der Zukunft steht vor allem für Individualität und Flexibilität. Möglich macht dies eine zunehmende Vernetzung innerhalb des Produktionsprozesses. Dabei ist die Smart Factory kein menschenleerer Raum, vielmehr findet eine übergreifende Kommunikation zwischen Mensch, Maschine und Produkt statt.

Individualität ist Trumpf! Ob Handy, Schuhe oder Auto – die Kunden wünschen sich heute Produkte, die den eigenen Wünschen entsprechen und sich von dem des Nachbarn oder Freundes unterscheiden. Bisher hatten Sonderanfertigungen ihren Preis, individuelle Produkte zum Preis von Massenware war kaum vorstellbar. Um den Wunsch der Konsumenten nachzukommen, bedarf es daher intelligenter Lösungen. Das Ziel: Schon während der Produktion sollen persönliche Kundenwünsche berücksichtigt werden, ohne die Effizienz zu mindern.

Grenzüberschreitende Vernetzung

Industrie 4.0 steht für eine umfassende Vernetzung der industriellen Produktion, jedoch handelt es sich dabei nicht um einen einzelnen Gegenstand oder eine einzelne Lösung. Im Mittelpunkt steht dabei die weitreichende Konvergenz der IT-Branche mit dem Maschinen- und Anlagebau sowie der Automatisierungstechnik, erklärt Wolfgang Dorst vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM). Zwangsläufig werden sich dadurch auch Fabriken verändern. Durch die Digitalisierung und Vernetzung werden sie zu intelligenten Produktionsstätten. Ein zentraler Bestandteil in der Fabrik der Zukunft ist das Internet der Dinge, welches die reale Welt mit dem Internet verbindet. In den Fabriken von Morgen sind Maschinen, Anlagen, Werkzeuge und die Produkte selbst in der Lage, sich mit dem Internet zu verbinden und sich untereinander zu vernetzen. Neu ist dies nicht, schon heute kommunizieren Anlagen und Maschinen miteinander. Doch beschränkte sich deren Kommunikation bisher auf das Netzwerk innerhalb der Fabrik. Künftig findet diese Vernetzung über die Werksgrenzen und über ganze Kontinente hinweg statt. Es geht nicht darum, einzelne Komponenten zu verbessern, sondern eine übergreifende Optimierung zu erreichen. Mit inbegriffen ist dabei die gesamte Wertschöpfungskette, von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur endgültigen Nutzung. BITKOM-Experte Wolfgang Dorst warnt jedoch davor, die Thematik nur auf das Internet der Dinge zu reduzieren. Denn auch das Internet der Dienste wird die Abläufe in der Produktion verändern. Dabei geht das eine nicht ohne das andere. Erst wenn Dinge mit dem Internet verbunden sind, können darauf auch Dienste angewendet werden, so erklärt Dorst weiter.

Das Produkt gibt den Takt vor

Insgesamt eröffnet die zunehmende Digitalisierung der Industrie ganz neue Möglichkeiten, von der auch der Endverbraucher profitiert. Ermöglicht wird dies durch einen Paradigmenwechsel, der in der Fabrik der Zukunft stattfindet: Denn nun wissen einzelne Stücke wo die Reise hingeht. „Das heißt, das Paradigma, dass die Maschine weiß, was mit dem Produkt zu tun ist, wird auf den Kopf gestellt“, so Wolfgang Dorst. Das Werkstück kennt von Anfang an seinen Weg und weiß, wie es auszusehen hat. Das Produkt wird sozusagen der Dirigent des Produktionsorchesters. Nur so kann eine vollständige Flexibilität im Produktionsprozess erreicht werden. Dies ist unter anderem notwendig, um zeitnah auf Störungen und Fehler reagieren zu können. Für den Kunden ergeben sich dadurch zwei Vorteile. So wird zum einen der Kundenwunsch nach mehr Individualität ohne Aufpreis erfüllt. „Der zweite Nutzen für den Kunden ist, dass ihm Produzenten ganz neue Geschäftsmodelle anbieten können“, sagt Wolfgang Dorst. Durch eingebaute Software können die Güter auch nach dem Verlassen der Fabrik weiter produziert werden, indem zum Beispiel neue Updates für das Produkt installiert werden – bekannt ist dies heute schon vom Smart-Phone. Die Kommunikation zwischen Mensch, Maschine und Produkt wird sich jedoch nicht nur in den Produktionsprozessen bemerkbar machen. Auch die Infrastruktur und die Logistik in der Fabrik wird sich verändern. Der Mensch nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein.

Der Mensch wird nicht verdrängt

Digitalisierung und Vernetzung ermöglichen eine immer weiter fortschreitende Automatisierung. Viele Prozesse laufen heute bereits ab, ohne dass ein Mensch in irgendeiner Weise involviert ist. Sind die Fabriken der Zukunft menschenleere Produktionsstätten, in denen nur noch Maschinen arbeiten? Der Automatisierungstrend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Nach Ansicht von Wolfgang Dorst ist dies jedoch keine Entwicklung der Industrie 4.0, vielmehr laufen diese Prozesse parallel ab. Für ihn ist der Mensch auch in der Smart Factory unerlässlich. Seine haptischen und kognitiven Fähigkeiten können durch Algorithmen nicht ersetzt werden. Jedoch wird er noch stärker durch den Einsatz intelligenter Maschinen und Dienste unterstützt werden.